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Das ist Schalke

"Schalke: Das ist Liebe und Hass, Mythos und Schicksal; das füllt die Spannweite aus zwischen rauschhaftem Jubel und Selbstmord, selbstloser Hingabe und Meineid."

Jürgen Girgensohn (SPD), Kultusminister Nordrhein-Westfalen, in seiner Rede zum 75-jährigen Vereinsjubiläum.
Vergessen Sie das Sommermärchen und die Partymeile 2006 und auch das happy-ending mit der Euphorie über den Handball-Weltmeister Deutschland, vor wenigen Tagen; vergesst alles, denn ein Sprichwort sagt: „Alles Neue macht der Mai!“

Und im Mai 2007 schickt sich der legendäre Bergarbeiterclub FC Schalke 04 an, zum achten Mal Deutscher Meister zu werden – nach 49 Jahren (!) das erste Mal wieder (1958 holten die nach den Bergleuten benannten „Knappen“ die Schale das letzte Mal).

„Überall in Deutschland wird Fußball gespielt, aber nirgendwo wird dieser Sport so überhöht, wie in Gelsenkirchen“ (Horst Vetten). In der wahrscheinlich ärmsten Großstadt Deutschlands und ehemaligen Hauptstadt des Deutschen Bergbaus, der die Politik gerade wieder Mal den Garaus macht (politisch korrekt heißt es: „Strukturwandel“; die Bergleute nennen die Entscheidungsträger einfach nur: „Zechenmörder“), sollen die Lichter des Bergbaus im Jahr 2018 ganz erlischen. Die Stimmung ist eigentlich betrübt, wie das Wetter, wäre da nicht der Stolz der Stadt – und einer ganzen Region.

Die „Stadt der 1000 Feuer“, wie Gelsenkirchen wegen seiner vielen Zechen früherer Tage auch genannt wird, beheimatet den Mythos des alten Malocherclubs, den Bergleute der Zeche „Consol“ 1904 gründeten, proletarische Rüpel, die sich unter dem Namen „Westfalia Schalke“ konstituierten und im bürgerlichen Verband nicht zum Spielbetrieb zugelassen wurden, so dass Sie erneut einen Antrag unter neuem Namen, etwas sittlicher, erfolgreich stellten: das war die Geburtsstunde des FC Schalke 04.

Tradition

Diese (proletarische) Bergmanns-Tradition unterscheidet Schalke von anderen (Fußball-) Vereinen. Die letzte Strophe der Vereinshymne offenbart jenen Willen und Zusammenhalt, der die Bergleute („Kumpel“) zusammenschweißte und Schalke zu „mehr als einem Fußballverein“ machte:

Tausend Freunde, die zusammen stehen, dann wird der FC Schalke niemals untergehen.“

Natürlich: Überall in Deutschland haben Vereine ihre Fans. Man fährt des Fußball wegen „nach“ München. Berlin. Hamburg und Frankfurt. Aber man geht „auf“ Schalke.

Überall gibt es Bayern-, Hertha-, Eintracht- oder HSV-Fans, aber man ist „Schalker“ – und nicht „nur“ Fan. Es ist wie eine zweite Haut, die man trägt und nicht nur der Schal am Wochenende, den man sich vor dem Spiel umhängt. Diese Tradition ist es, die Schalke durch die Jahrzehnte trug und unverwüstlich werden ließ.

In den 1980er Jahren flimmerten aus Amerika die ersten Seifenopern ins Fernsehen, „Dallas“ und „Denver“ eroberten die deutschen Bildschirme. Der Skandalverein aus dem „Kohlepott“ bot eine solche Show in der Realität – seit 1904:

- Zwei Kassierer ertränkten sich in Rhein-Herne-Kanal, weil sie weder Schmach ertragen, noch dem Verein Schaden zufügen wollten.
- In den 1970er Jahren war Schalke in den größten Bundesligaskandal verwickelt. Damals gab es drei Mannschaften „Junger Wilder“. Vielleicht wäre die Fußball-Geschichte anders verlaufen und keiner würde heute Beckenbauer, Müller, Hoeness und den Maier Sepp kennen, wenn die Karrieren von Fischer, Fichtel, Nigbur und den Kremers-Zwillingen nicht jäh durch mehrjährige Sperren unterbrochen worden wären. So wurden damals die Gladbacher „Fohlen“ mit Netzer, Vogts, Heynckes und Bonhoff der Hauptkonkurrent des FC Bayern.
- Die Schalker Legende, Ernst Kuzzorra, musste gleich zweimal begraben werden, weil der Präsident zu spät zur Beerdigung kam und man musste das Idol noch einmal ausbuddeln, um Ihn am gleichen Morgen ein zweites Mal zu begraben.

Als in den 1980er Jahren der Verein gleich dreimal in die 2. Liga abstieg und für fünf Jahre in der 2. Bundesliga verschwand, drohte der Ruin. Bei Auswärtsspielen riefen die heimischen Fans: „Schalke 04 – die Gangster vom Revier!“ Es war ein Spießrutenlaufen für alle Fans der Königsblauen.

Als aber dann in der Saison 1990/1991 der Wiederaufstieg in die 1. Liga gelang, spürten man in ganz Fußballdeutschland, dass da ein Goliath erwacht.

1997 folgte dann der Höhepunkt der Vereinsgeschichte des FC Schalke 04. Die „euro-fighter“, eine Mannschaft der Namenlosen, gewann in der Mailänder Fußball-Scala vor 84.000 Zuschauern am 21. Mai 1997, um 23.35 Uhr durch Elfmeterschiessen (nach einem 1:0 Hinspielsieg und einer 1:0 Niederlage nach 90 Spielminuten in Mailand) den UEFA-Cup.

Schon damals bebte Deutschland. Nach Jahrzehnten der Schmach schrieen überall in Deutschland Schalke-Fans ihre Freude in den Nachthimmel. Unglaubliche Szenen spielen sich ab.

Und noch ein Rekord: 30.000 Schalker folgten ihrer Mannschaft in die lombardische Metropole, die selbst zwei Vereine von Weltruhm beheimatet (Inter und den AC Mailand) und jeden bedeutenden Verein schon zu Gast – aber so etwas noch nie erlebt - hatte. Am Tag des Endspiels schrieb der „Corriere de la Sierra“: „Seit Hannibal vor über 2000 Jahren die Alpen mit Elefanten überquerte, haben nicht mehr so viele Menschen an einem Tag, zu einer Schlacht, zu einem Ort hin, die Alpen überschritten.“

30.000 Schalker in Mailand und die gleiche Anzahl im leeren Parkstadion Gelsenkirchen, die auf einer Leinwand den Krimi verfolgten – und Millionen an den Bildschirmen und nachts auf deutschen Straßen, als alle Dämme brachen. Viele behaupten, sie hätten nie mehr erwachsene Menschen weinen sehen, wie in jener Mailänder Frühlingsnacht – vor Glück.

„Bei uns ist Fußball kein Spiel auf Leben und Tod. Bei uns ist Fußball mehr.“ Das hat einmal Bill Shankley, der legendäre Manager des FC Liverpool gesagt, um das Wesen von Arbeitervereinen zu erklären.

Die Fans

Jeder halbwegs Fußballkundige unterscheidet: Es gibt Fußballfans. Und es gibt Schalker. Manche behaupten gar, die Schalke-Fans seien sozusagen die „Taliban“ der Fußballgemeinde, aber auch das ist relativ. Es kann gut sein, dass die Westkurve in Kaiserslautern die fanatischste Ecke der Bundesliga ist, und die Dortmunder Südkurve mit 20.000 Fans, die Lautesten der Liga sind, aber gewiss hat niemand treuere Fans als der FC Schalke 04.
Es ist keine „große Leistung“ vor vollen Stadien zu spielen, wenn die eigene Mannschaft „oben“ steht in der Tabelle oder sich eines ausverkauften Hauses zu rühmen, wenn man den FC Bayern zu Gast hat. Wahre Fans zeigen ihre Liebe dann, wenn der Verein „unten“ steht und da ist Schalke längst Legende, seit den 1980er Jahren, als drei Abstiege den Verein an den Rand des Ruins brachten: 64.000 gegen Blau-Weiss 90 Berlin, 45.000 gegen den TSV Havelse und 70.000 gegen Wattenscheid, in den Niederungen der 2. Liga. Das konnte nur Schalke!

Man sagt über Schalker, dass sie so „bekloppt“ seien und am Flughafen eher die Frau vergessen, als Schal, Trikot oder Fahne mit in den Urlaub zu nehmen. Kopf schüttelnd nehmen „Normalos“ solche Anekdoten zur Kenntnis. Schalker fragen sich, was daran besonders sein soll?

Heute ist Schalke 04 der zweitgrößte deutsche Fußballverein (Konzern), mit über 50.000 Mitgliedern, einem Jahresumsatz der fast 200 Millionen Euro erreicht, auf den Platz kicken moderne „Söldner“ und „Millionarios“, wie überall, und mit dem russischen Staatsgroßunternehmen „Gazprom“ hat man einen potenten „Sponsor“ gewonnen, der in zehn Jahren 125 Millionen nach Gelsenkirchen überweist.

Der Kommerz macht den Fußball kaputt, die Yuppies gewinnen überall die Oberhand. Der wahre Fan weicht zunehmend dem zahlungskräftigen Zuschauer, der „sein event“ erleben will. Gegen diese Entwicklung wehren sich kritische Fans in allen Fußballstädten.

Und doch: Schalke ist nach wie vor verbunden mit seiner Tradition und gilt als der volksnahste Verein im internationalen Profifußball: Kein Zaun trennt die Fans täglich von der Mannschaft auf dem Trainingsgelände. Auch das gibt’s nur so auf Schalke.

Und an der Spitze des Vereins steht ein Bergmann. Gerhard Rehberg verkörpert die Vaterfigur und die Brücke zwischen Tradition und Moderne. Der ehemalige Bergmann war 25 Jahre Bürgermeister von Gelsenkirchen und ist seit zwei Jahren Ehrenbürger seiner Heimatstadt.

Im Ruhrgebiet ist Fußball nicht ein Spiel, sondern Teil der Alltagskultur. In Gelsenkirchen ist es auch so. Kaum ein Zuschauer hat heute Verbindungen zum Bergbau, aber geblieben ist diese Solidarität der Kumpel im Pütt, dieses bedingungslose Zusammenstehen zu diesem Verein, egal was kommt. Es ist nicht wie bei einem bürgerlichen Verein (FC Bayern), wo alle jubeln, wenn’s (meist) gut läuft und sich abwenden, wenn’s mal nicht so läuft.

Denn Fußball ist wie das Leben, meist läuft es schlechter, als erhofft, man bekommt viele Kratzer über die Jahre, aber man darf nie den Glauben an die Zukunft aufgeben. Das wissen richtige Fußballfans. Und das ist auch das Besondere an Schalke. Soziologen formulieren es so: Die meisten Fußballfans sind ein bisschen masochistisch veranlagt (wie anders könnte man den grottenschlechten Kick ertragen, den beispielsweise sich ein echter FC Köln Fan seit über 10 Jahren antut? Ich weiß, wovon ich spreche, denn unser Jahrzehnt der Trauer waren die 1980er Jahre und ich war in Schweinfurt, Havelse und Aschaffenburg dabei).

Und deshalb wird der Mai 2007 ein Gefühlsausbruch sondergleichen, wie wenn ein Vulkan ausbricht. Seit 1958 warten wir darauf! Ich bin 1960er Baujahr und habe es erst vier Minuten live erlebt (2001), Deutscher Meister zu sein, ehe die Allianz aus DFB (Mayer-Vorfelder), FC Bayern und Schiedsrichter Markus Merk (den angeblich besten Schiri der Welt, der seither noch nie Schalke wieder gepfiffen hat. Warum wohl?) uns um die Meisterschaft gebracht haben.

„Wir glauben fest daran, denn endlich sind wir wieder dran“, heißt der Refrain eines Schalke-Liedes. Im Mai 2007 werden unsere Träume wahr und wir werden zum achten Mal deutscher Meister. Vor uns ist der andere Traditionsclub, 1. FC Nürnberg, mit neun nationalen Titeln.
Wie oft der FC Bayern Meister deutscher Meister war, interessiert niemand, denn sie können die Probe aufs Exempel machen, indem sie einen Bayern-Fan fragen, und feststellen: die wissen es in der Regel selbst nicht, denn es ist Teil ihrer charakterlichen Schwäche, weshalb die Toten Hosen in ihrem Kult-Song „Bayern“ treffend sangen: „Ich würd’ nie zum FC Bayern München gehen!“

Das wird ein Frühling. Und der Himmel wird blau und weiß sein: „Blau und weiß, wie lieb ich Dich!“ (heißt die Hymne des FC Schalke 04).

Mein Freund Dirk Krämer kämpfte die letzten beiden Jahre gegen den Tod (Darmkrebs) und siegte am Ende, wenn auch stark gezeichnet von der Krankheit: Als Ihm vor mehr als zwei Jahren die Ärzte im Krankenhaus die Schocknachricht offenbarten, beschloss er zu kämpfen – und sagte den Medizinern: „Bitte tun Sie alles. Ich habe zwei kleine Kinder, eine Frau und Familie. Und ich möchte einmal erleben dürfen, bevor ich sterbe, dass Schalke Meister wird. Tun Sie mir den Gefallen, Herr Doktor!

So sind Schalker! Und das ist auch gut so. Glück auf!

PS. Vorher noch, am letzten März-Wochenende, spielt Schalke auswärts bei den Bayern und mit der Mannschaft werden mehr als 20.000 „königsblaue“ Fans ins weiß-blaue Ausland ziehen, um in München vorab beim FC Bayern zu demonstrieren, wer „deutscher Meister“ ist!

von Ferhat Cato

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